Kredit aufstocken – jederzeit möglich?

Kredit aufstocken – jederzeit möglich?

Wer größere Anschaffungen plant, der finanziert diese oft über einen Kredit. In einigen Fällen kann es jedoch passieren, dass man nach der Aufnahme des Kredits bemerkt, dass die Kreditsumme für das Vorhaben nicht ausreichend ist. Dies kann beispielsweise im Falle von unerwarteten Kosten bei einer Renovierung der Fall sein. In diesem Moment denken viele Kreditnehmer über eine Aufstockung des Kredites nach. Wir klären in diesem Beitrag, ob eine Kreditaufstockung jederzeit möglich ist und was dabei beachtet werden sollte.

Was bedeutet eine Kreditaufstockung?

Wenn ein Kredit aufgestockt werden soll, bedeutet dies, dass die bestehende Kreditsumme erhöht wird. Diese Möglichkeit kann aus ganz unterschiedlichen Gründen genutzt werden, beispielsweise für folgende Situationen:

  • notwendige Reparaturen im Haushalt oder am Auto
  • Neuanschaffung elektronischer Großgeräte, wie Waschmaschine oder Kühlschrank
  • erforderliche Anschaffungen für die Ausstattung bei Familiennachwuchs
  • unerwartete Kostensteigerungen bei Renovierungen oder Um- sowie Ausbauten am Haus
  • andere unerwartete Ausgaben, die nicht durch das Einkommen gedeckt werden können
@Melpomene – 126090590

Welche Voraussetzungen müssen für eine Kreditaufstockung erfüllt sein?

Genau wie bei der Vergabe eines Kredites, müssen auch für die Aufstockung eines Kredites bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Nur so kann die kreditgebende Bank sicher sein, ihr verliehenes Geld auch wiederzubekommen. Die Voraussetzungen sind:

  1. Anhand einer SCHUFA-Abfrage muss eine positive Bonität nachgewiesen werden.
  2. Das Einkommen muss ausreichend sein, um neben den Lebenshaltungskosten auch die Kreditrate bedienen zu können.
  3. Es darf keine zu hohe Verschuldung vorliegen.
  4. Bisherige Kreditraten müssen immer ordnungsgemäß gezahlt worden sein.
  5. Es muss ein gemeldeter Wohnsitz in Deutschland vorhanden sein.
  6. Die Einkommenssituation wird sich in der Zukunft nicht verschlechtern.

Wann kann ein Kredit aufgestockt werden?

Grundsätzlich ist es jederzeit möglich, einen vorhandenen Privatkredit aufzustocken. Allerdings gilt es, hierfür bei vielen Banken besondere Regularien einzuhalten. Einige Kreditgeber regeln in ihren AGB, dass nach einer Kreditaufnahme eine bestimmte Zeit vergehen muss, bis ein Kredit aufgestockt werden kann. In vielen Fällen beträgt diese Frist sechs Monate nach erstmaliger Kreditauszahlung. Dieses Vorgehen hat folgenden Hintergrund: Wollen Sie beispielsweise bereits drei Wochen nach Kreditaufnahme die Kreditsumme erhöhen, sieht die Bank darin ein Zeichen, dass Sie nicht richtig mit dem Geld kalkulieren können. Zum anderen ist nach so kurzer Zeit vermutlich noch keine Rate zur Rückzahlung bezahlt worden, sodass die Bank nicht sicher sein kann, ihr Geld auch wie vereinbart zurückzuerhalten. Die Sperrfrist für eine Kreditaufstockung, wie sie bei vielen Banken üblich ist, dient also dazu, Ihre Zuverlässigkeit unter Beweis zu stellen.

Wie oft kann ein Kredit aufgestockt werden?

Auch hierfür gibt es keine generelle Regelung. Grundsätzlich kann man seinen bestehenden Kredit unbegrenzt oft aufstocken. Voraussetzung dafür ist immer, dass die oben genannten Punkte erfüllt sind und vor allem, dass das Haushaltseinkommen eine weitere Belastung durch die neue Kreditrate zulässt.

Was kostet eine Kreditaufstockung?

Die Kosten für eine Finanzierung setzen sich immer aus den anfallenden Zinsen und eventuellen Zusatzgebühren zusammen. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf (27.11.2014, Az. I-6 U 75/14), dürfen für die Aufstockung eines bestehenden Kredits keine zusätzlichen Gebühren erhoben werden. Ausnahmen von dieser Regelung sind nur wie folgt zulässig:

  • wenn die für den Kredit benötigten Sicherheiten neu bewertet werden
  • wenn bei einem Hypothekendarlehen der Wert der Immobilie neu ermittelt werden muss
  • wenn bei einem Immobilienkredit eine weitere Eintragung im Grundbuch notwendig ist
  • wenn mit der Aufstockung des Kredits gleichzeitig weitere Produkte abgeschlossen werden, beispielsweise eine Restschuldversicherung

Auch können sich die Zinsen für die Aufstockung eines Kredites verändern. Wird ein bestehender Kredit aufgestockt, bleibt der vereinbarte Zinssatz für die bereits existierende Kreditsumme bestehen. Für den Betrag der Erhöhung wird der aktuelle Zinssatz zugrunde gelegt. Insgesamt entsteht also ein Kredit mit einem Mischzins.

Beispiel: Sie haben bereits einen bestehenden Kredit über 12.000 €, welchen Sie um weitere 3.000 € aufstocken wollen. Für die bereits bestehende Kreditsumme war ein Zinssatz von 5,0 % p.a. vereinbart. In Zeiten der Niedrigzinsen verlangt die Bank aktuell beispielsweise nur 3,0 % p.a. Zinsen auf den Aufstockungsbetrag. Ihr neuer Mischzins für den Gesamtkreditbetrag von 15.000 € setzt sich also wie folgt zusammen:
((5,0 % x 4) + (3,0 % x 1)) / 5 = 4,6 % p.a.

Durch Umschuldung einen günstigeren Zins sichern

Statt einen Kredit aufzustocken, können Sie natürlich auch einen neuen Kredit aufnehmen und damit den alten Kredit umschulden. So können Sie sich unter Umständen bessere Zinsen auf den Gesamtkreditbetrag sichern, als es mit der Kalkulation eines Mischzinses möglich wäre. Dies kann mehrere hundert oder tausend Euro einsparen. Sinnvoll ist das natürlich nur, wenn der aktuelle angebotene Zinssatz niedriger ist, als zum Zeitpunkt der Aufnahme des bestehenden Darlehens.

@Jeanette.Dietl – 34460199

Vor- und Nachteile

Sowohl die Aufstockung eines bestehenden Kredits als auch die Neuaufnahme eines höheren Kredits, mit dem der alte Kredit abgelöst wird, bieten ihre Vor- und Nachteile:

KreditaustockungNeuaufnahme
Vorteile– die Bank kennt Sie bereits aus der bisherigen Zahlungshistorie
-es werden weniger Unterlagen benötigt
-ein großer Ratenkredit ist für die Schufa positiver als mehrere kleine Kredite
– es können gegebenenfalls bessere Konditionen gesichert werden
– Neukunden erhalten oft bessere Konditionen als Bestandskunden
Nachteile– es kann, im Vergleich zur Neuaufnahme, ein ungünstiger Mischzins entstehen.– die Bank kennt Sie nicht
– es sind alle Unterlagen und Prüfungen einer normalen Kreditaufnahme notwendig

Fazit zur Kreditaufstockung

Eine Kreditaufstockung ist grundsätzlich jederzeit möglich. In der Praxis verhängen viele kreditgebende Banken jedoch entsprechende Sperrfristen nach einer Kreditaufnahme, um die Zuverlässigkeit des Kreditnehmers zu überprüfen. Ist die Zuverlässigkeit bereits bewiesen und stimmen Bonität und Einkommensverhältnisse, so kann eine Kreditaufstockung auch mehrmals vorgenommen werden.

Wird die Aufstockung eines bestehenden Ratenkredits abgelehnt, können Sie sich bei weiteren Banken nach einem neuen Kredit umsehen. Bietet ein anderer Anbieter einen besseren Zinssatz als Ihr bisheriger Kreditgeber, so ist es sinnvoll, eine Umschuldung des gesamten Kredits vorzunehmen, um Kosten einzusparen. Grundsätzlich sollten Sie sich vor der Aufnahme oder Aufstockung eines Kredites jedoch folgende Fragen stellen:

  1. Brauche ich das Geld wirklich?
  2. Kann ich die monatliche Rate über die gesamte Laufzeit stemmen?

Insbesondere bei der Höhe der Rückzahlungsrate sollten Sie in den eigenen Finanzen einen entsprechenden Puffer für unvorhergesehene Ereignisse einkalkulieren. So gehen Sie sicher, dass die Kreditrate nicht Ihre Existenz gefährdet. Kann die Kreditrate irgendwann nicht mehr bezahlt werden, entstehen schnell weitere Kosten durch Mahn- und Inkassoverfahren. Zudem verschlechtert sich Ihre Bonität dramatisch, was die Chance auf Kredite in der Zukunft stark einschränkt.

Bildnachweis: @pikselstock – 23643189